Beckmann fragt: Macht uns die Arbeitswelt krank?

Fast ein Jahr ist es her, dass sich die Suchthilfe Aachen dem Thema „Depression“ widmete. Damals waren wir ungewollt aktuell, denn zwei Tage vor unserer Fortbildung „Depression – Schwester der Sucht?!“ brachte sich der Nationaltorwart Robert Enke um. Seine Frau verkündete bei einer Pressekonferenz, Grund für den Suizid ihres Mannes seien schwere Depressionen gewesen. Das Thema wurde von den Medien aufgegriffen und heiß diskutiert.

Die ARD stellte daher gestern in der Sendung „Beckmann“ erneut die Frage, ob die moderne Arbeitswelt krank macht und Burnout und Depressionen fördert. Laut Studien erkrankt jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens an einer Depression, jeder neunte Bürger erleidet einen Burnout.

Burnot oder Depression?

Die Ursachen für eine Depression sind vielfältig. Die Krankheit wird dabei immer noch tabuisiert, vermutlich weil sie als negative Charaktereigenschaft abgetan wird. Der Begriff „Burnout“ scheint dabei in letzter Zeit salonfähig und synonym zur Diagnose „Depression“ geworden zu sein. Allerdings ist Burnout keine eigenständige Krankheit, sondern ein spezieller Weg in eine Depression: Zuerst kommt der Burnout, dann die Depression.

Was fördert einen Burnout?

Laut einer weiteren Studie nehmen 800.000 gesunde Arbeitnehmer regelmäßig leistungssteigernde Medikamente, um in der Arbeitswelt und im Alltag zu bestehen. Vier Millionen Deutsche nehmen Beruhigungsmittel. Aber was fördert einen Burnout? Auf der einen Seite ist es ein enormer Erwartungsdruck, auf der anderen Seite wenig Gestaltungsfreiheit in der Arbeitswelt, aber auch im Privaten. Wesentliche Schutzfaktoren können hier die „Selbstwirksamkeit“ („Ich kann etwas an meiner Situaton ändern!“) sowie die so genannte „Work-Life-Balance“ (Einklang von Arbeits- und Privatleben) sein.

Warum sind Burnout und Depression so häufig geworden?

Früher war es zwar auch üblich, an seine Leistungsgrenze zu gehen, doch nach einer Phase der Anstrengung gab es auch Möglichkeiten zur Entspannung, zum Feiern und zur Belohnung. Der Sonntag war z.B. heilig. In unserer Leistungsellschaft haben wir aber den natürlichen Rhythmus zu Anspannung und Entspannung sowie das Gespür für unsere körpereigenen Signale verlernt. Die Krankheit kann als eine Art Zwangspause auch ein guter Schutzmechanismus des Körpers sein.

Zu Gast waren:

Andreas Biermann (Ex-Fußballprofi), Prof. Florian Holsboer (Deutschlands führender Depressionsforscher), Dr. med. Eckhard von Hirschhausen (Arzt, Moderator, Autor), Maria Riesch (Skirennläuferin) sowie Gerhard Huber (Ex-Bankmanager und Burnout-Betroffener).

Sie haben die Sendung verpasst? Sehen Sie den Beitrag vom 27.09.2010  hier!

Übrigens: In diesem Herbst (10.11.2010) veranstaltet die Suchthilfe Aachen wieder eine Fortbildung. Diesmal geht es um Sucht und Persönlichkeitsstile, mit dem Fokus auf Borderline-Störungen. Informationen erhalten Sie in Kürze hier.

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Datum: Dienstag, 28. September 2010 21:07
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